Kapitel 8: Begegnung
Es war früher Nachmittag, als die beiden Freundinnen in die Stadt fuhren. Die Sonne war zwischen den dunklen Wolken hervor gekommen und die Straße war überfüllt mit Menschen. Maya war schon sehr gespannt, wo Soras Lieblingsort war. Sie hatte gestern Abend noch ein paar Mal versucht, es aus ihrer Freundin heraus zu bekommen, doch Sora hatte geschwiegen. Schließlich hatte sie es aufgegeben.
Endlich hielt der Bus an und die Beiden steigen aus. „Wir müssen noch ein paar Minuten laufen, bis wir da sind“, lächelte Sora. Sie liefen an Einkaufszentren und an einem Frisör vorbei, bevor sie schließlich vor einem riesigen Gebäude hielten. „Das hier ist mein Lieblingsort. Komm, lass uns reingehen“. Sora nahm Maya an der Hand und zog sie förmlich hinter sich her.
„Das ist eine Bibliothek!“, stelle Maya fest. „Ich weiß nicht, was du an einer Bücherei so interessant findest“.
„Komm schon, bitte. Und danach zeige ich dir noch etwas die Stadt, ja?“. Sora legte den Kopf schief und sah ihre Freundin an. Diese nickte und sie betraten die Bibliothek. „Und was wollen wir hier machen?“.
„Ich will nur ein paar Bücher abgeben und dann zeig ich dir die Stadt, okay?“.
„Hast du etwas dagegen, wenn ich draußen warte? Ich mag die Stille nicht so. Hier ist es mir irgendwie unheimlich“, flüsterte Maya. Sora sah ihre Freundin skeptisch an. Doch dann zuckte sie nur mit den Schultern. „Okay, ich treffe dich dann gleich draußen. Dauert auch nicht lange“.
„Lass dir ruhig etwas Zeit. Du brauchst dich nicht zu beeilen“. Sora nickte und beobachtete, wie ihre Freundin wieder nach draußen lief. Sie seufzte leise. >>Maya hat die Bibliothek noch nie gemocht. Kann man nichts machen. Aber ich werde mich beeilen“. Sie drehte sich um und war keine zwei Schritte gelaufen, als sie mit einem Jungen zusammen stieß. Seine Bücher fielen zu Boden und auch Sora landete unsanft auf einem der Bücher. „Ich bitte um Entschuldigung. Ich habe nicht aufgepasst“, entschuldigte sie sich. „Auch ich muss mich entschuldigen, ich habe genauso wenig aufgepasst“, antwortete der Junge. Sora blickte den Jungen an, mit dem sie zusammen gestoßen war. Er war etwa genauso groß wie sie, also nicht sehr groß, hatte braune Haare und blaue Augen. Sie half ihm, die Bücher einzusammeln und gab sie ihm zurück. „Ich bitte nochmals um Verzeihung“, entschuldigte sich Sora. Der Junge lächelte und verließ die Bibliothek. Sora blickte ihm nach und in dem Moment hatte sie eine Vision. Nur Sekundenbruchteile. Doch es hatte gereicht, damit Sora blass wurde.
Schnell gab Sora ihre Bücher ab und trat dann hinaus zu Maya. Diese saß auf der Bank und hatte einen Becher mit Kaffee in der Hand. „Sora, was ist denn passiert? Du siehst so blass aus“, fragte Maya entsetzt, die sofort sah, dass mit ihrer Freundin etwas nicht stimmte. „Es geht gleich wieder, ich muss mich nur einen Moment hinsetzen“.
Kapitel 9: Auftrag
Am späten Nachmittag kehrten die beiden Freundinnen von ihrem Ausflug zurück. Sora hatte sich zwar wieder gefangen, doch sie war immer noch blass im Gesicht. „Ich brauch jetzt erst mal ein schönes heißes Bad“, meinte Maya und verschwand im ersten Stock, auf dem sie ihr Zimmer hatte. Sora zog ihre Jacke aus und ging dann ebenfalls nach oben. Doch sie lief noch ein Stock höher, in das Büro von Crawford.
Sie klopfte an die Tür und trat ein. „Ich muss mit euch reden. Es ist wichtig“, fing Sora an. Schuldig, der sofort sah, dass etwas nicht in Ordnung war, stand von seinem Stuhl auf und bot Sora seinen Stuhl an. Dankend setzte sie sich hin. Crawford saß hinter seinem Schreibtisch und neben Sora, auf dem anderen Stuhl, saß Nagi.
„Was ist passiert?“, fragte Schuldig. Er kniete sich neben den Stuhl und sah Sora besorgt an. „Ist was mit Maya?“. Sora schüttelte den Kopf. „Nein, Maya geht es gut. Sie nimmt gerade ein Bad. Aber ich war vorhin mit Maya in der Stadt und bei der Gelegenheit, hab ich gleich ein paar Bücher zurückgebracht und da hatte ich eine Vision“. Schuldig und Crawford warfen sich einen Blick zu. „Ich bin dort mit einem Jungen zusammen gestoßen und kurz darauf hatte ich eine Vision“.
„Was hast du gesehen?“, wollte Crawford wissen.
„Der Junge, mit dem ich zusammen gestoßen bin. Er wird euch bei eurem nächsten Auftrag in die Quere kommen. Ich habe nicht viel gesehen, doch er war nicht alleine. Es waren auch noch drei andere Leute dabei. Aber ich konnte sie nicht erkennen“. Sora sah Schuldig an.
„Hatte der Junge zufällig braune Harre, blaue Augen und etwa deine Größe?“, fragte Nagi. Sora nickte. „Du kennst ihn?“
„Sein Codenamme lautet Bombay. Er ist ein Auftragskiller. Mit normalen Namen heißt er Omi. Er und die anderen aus dem Team sind uns schon ein paar Mal in die Quere gekommen“, bestätigte Nagi. Sora schwieg eine Weile. Doch dann fragte sie: „Ihr habt also einen neuen Auftrag?“. Crawford nickte.
„Dann lasst mich dabei sein. Ich will euch helfen“.
„Nein Sora. Erstens bist du schwanger und zum anderen ist das nichts für dich“.
„Wieso nicht? Wieso kann ich euch nicht helfen?“
„Weil es so besser ist. Glaub mir“, sagte Crawford und richtete seine Krawatte.
„Um was geht es bei dem Auftrag? Oder könnt ihr mir das auch nicht sagen?“. Sora blickte erst Crawford und dann Schuldig in die Augen. Crawford seufzte. „Also gut. Die Firma FoodGear hat einen Virus entwickelt, der es möglich macht, in jedes Computersystem der Welt einzudringen und das ganze Stromsystem zum Absturz bringen. Unser Auftraggeber befürchtet, dass die Firma FoodGear dieses Virus nutzen wird, um seiner Firma zu schaden. Deshalb sollen wir den Virus stehlen“.
„Und da kann ich euch nicht helfen? Ich will nicht die ganze Zeit herum sitzen und Nichts tun“. „Und was ist mit Maya? Wie willst du ihr erklären, dass du mitten in der Nacht weg musst?“, fragte nun Nagi. Sora drehte sich zu ihm um. „Hast du vergessen, das auch ich telepathische Fähigkeiten habe?“. Sora wurde langsam wütend.
„Also gut Sora. Du bist bei dem Auftrag dabei. Die Einzelheiten werden wir heute Nacht besprechen, wenn deine Freundin schläft“. Sora nickte.
Kapitel 10: Antworten
Ich verstehe ja, dass sie sich um mich Sorgen machen. Um mich und um das Kind, welches ich in mir trage. Aber ich kann doch nicht den ganzen Tag nur zu Hause bleiben. Oder, so wie heute, mit Maya in die Stadt gehen. Natürlich macht es mir Spaß, wieder etwas mit Maya zu unternehmen, aber auf Dauer wird dies langweilig werden.
Ich habe nun mal diese Fähigkeit. Ich bin kein gewöhnlicher Mensch. Genauso wie Schwarz. Ich möchte auch bei ihren Aufträgen dabei sein und ihnen helfen. Wer sagt denn, dass ich gleich töten muss? Es gibt doch auch andere Möglichkeiten. Also warum? Warum möchten sie nicht, dass ich bei ihren Aufträgen dabei bin? Diesmal lassen sie mich dabei sein. Doch wie wird es beim nächsten Mal sein? Werde ich auch erst wieder Fragen müssen? Werden sie mich überhaupt dabei haben wollen?
Sora lag auf dem Bett. Ihren Morgenmantel an und ihre langen Haare lagen offen auf ihrem Bett. Am liebsten würde sie zu ihnen gehen und ihnen all diese Fragen stellen. Doch sie wusste nicht, wie sie darauf reagieren würden. Ob sie wütend sein würden, oder nicht.
>>Warum sollten wir wütend sein? Weil du Fragen hast? Jeder Mensch hat Fragen und jeder hat auch das Recht, diese Fragen zu stellen und eine Antwort darauf zu bekommen. Auch du Sora.<< hörte sie die Stimme von Schuldig in ihrem Kopf. Sie richtet sich auf und erblickte Schuldig. Er stand direkt vor ihrem Bett.
„Wie bist du rein gekommen? Die Tür ist abgeschlossen?“ Schuldig lächelte.
>>Mit deinen Fähigkeiten kannst du nicht nur in die Gedanken anderer Leute eindringen. Du hast auch die Möglichkeit, dich von einem zum andern Ort zu teleportieren. Das geht zwar nur über eine geringe Strecke, aber es war ja auch nicht weit, von meinem in dein Zimmer zu gelangen.<<
„Warum redest du nicht mit mir, sondern sprichst nur in Gedanken zu mir?“
>>Warum nicht? Warum sollte ich meine Fähigkeiten verbergen? Dafür gibt es doch keinen Grund, oder?<< Gespannt blickte Schuldig Sora an. Doch sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Also schwieg sie.
>>Warum hast du mir bis jetzt nichts davon erzählt. Mir verschwiegen, dass ich auch Teleportieren kann?<<
>>Weil du noch nicht bereit warst. Aber jetzt bist du es. Und wenn du möchtest, werde ich dir das auch beibringen.<< Sora nickte. Natürlich wollte sie das lernen.
>>Aber um deine Fragen zu beantworten: Wir machen uns Sorgen um dich. Deshalb wollten wir nicht, dass du bei dem Auftrag dabei bist. Aber du hast dich durchgesetzt, gesagt was du wolltest. Und das hat uns gezeigt, dass du bei uns mitmachen willst. Du darfst immer mitmachen. Bei jedem Auftrag. Und du musst auch nicht töten. Das bist nicht du. Du sollst nicht so werden wie wir.<<
Eine Weile schwiegen die Beiden. Schuldig setzte sich auf den Rand von Soras Bett und betrachtete sie schweigend. Doch dann fragte er: >>Warum hast du mir nicht erzählt, dass du noch eine zweite Fähigkeit besitzt, dass du Visionen hast?<< Sora schaute zur Seite. Wollte Schuldig nicht in die Augen sehen. >>Ich hatte Angst. Angst, du würdest mich nicht mehr mögen. Du würdest mir nicht mehr helfen, meine Fähigkeiten kontrollieren zu können.<< Für einen Moment war Schuldig wie gelähmt. Doch dann, noch ehe Sora reagieren konnte, zog er sie zu sich und umarmte sie.
>>Ich werde dich immer mögen. Und ich werde dir immer helfen.<<
Für Sora kam das plötzlich, sie lag halb in den Armen von Schuldig und hörte seine Worte in ihren Gedanken. Obwohl die Position, in der sie lag, etwas unbequem war, sagte sie nicht. Genoss einfach die Wärme und die Nähe Schuldigs. Sie schloss die Augen und atmete tief ein und aus. >>Ich bin froh, dass es jetzt raus ist. Jetzt habe ich wirklich keine Geheimnisse mehr vor dir.<<
Kapitel 11: Weiß
So ungern Sora in die Gedanken ihrer besten Freundin eindringen wollte, hatte sie heute Nacht doch keine Wahl. Vorsichtig hatte sie sich in die Gedanken ihrer Freundin geschlichen, damit diese auch ja nichts mitbekam und hatte dafür gesorgt, dass Maya für die nächsten paar Stunden bewusstlos in ihrem Bett lag und schlief.
Nagi und Sora saßen auf dem Rücksitz. Crawford fuhr und Schuldig saß auf dem Beifahrersitz. Während sich die beiden unterhielten, spielte Nagi mal wieder mit seinem Laptop.
„Was machst du da eigentlich?“, fragte Sora und beugte sich zu Nagi hinüber.
„Ich schaue mir noch einmal die Pläne des Gebäudes an“, antwortete Nagi und drehte den Laptop so, dass auch Sora die Pläne sehen konnte.
„Du weißt, was du zu tun hast Sora?“, fragte Crawford und blickte in den Rückspiegel. Sora nickte. Während Crawford und Nagi sich um den Virus kümmerten, sollten Schuldig und Sora sich um Weiß kümmern. Sie aufhalten, aber nicht töten.
Der dunkle Wagen hielt an und sie stiegen aus. „Das ist eine Lebensmittelfabrik“, stellte Sora erstaunt fest. „Ich dachte, die haben einen Virus, so wie es der Auftraggeber uns gesagt hat...“
„Die Lebensmittelfabrik ist nur zum Schein. So soll sie von außen hin wirken. Aber im hinteren Teil arbeiteten sie an dem Virus“, erklärte Nagi.
„Du schnüffelst wohl gerne in den Rechnern von anderen Firmen, oder?“, meinte Sora. Nagi schwieg. Doch Sora wusste, sie hatte ins Schwarze getroffen. Sie lächelte kurz, wurde dann aber wieder ernst.
„Also gut. Weiß wird in wenigen Augenblicken hier sein. Wir sollten anfangen“. Crawford gab die letzten Anweisungen und schon verteilte sich das Team. Schuldig und Sora verteilten sich draußen auf dem Gelände. Nagi hatte bereits das Sicherheitssystem lahmgelegt, sodass sie sich keine Sorgen um die Kameras machen brauchten. Außerdem sollte sich Sora erst mal im Hintergrund halten. Sie fand es gar nicht mal so schlimm. So konnte sie Weiß beobachten, ohne gleich direkt in einen Kampf verwickelt zu werden.
Sora stand im Schatten des Gebäudes und wurde so von den Weiß Mitgliedern, die gerade angekommen waren, nicht gesehen. Omi, den Sora sofort erkannte und ein Mann mit roten Haaren machten sich bereit, um gegen Schuldig zu kämpfen. Während die anderen Beiden, ein Mann mit kurzen braunen Haaren und ein Mann mit schulterlangen blonden Haaren, in das Gebäude stürmten. Sora las in ihren Gedanken, dass die Beiden den Virus beschaffen sollten. Ken Hidaka und Yoji Kudo. Sie kannte sie deshalb, weil Nagi ihr alles, was es über sie zu finden gab, gezeigt hatte.
>>Soll ich die Beiden aufhalten?<< fragte Sora Schuldig.
>>Dann nimm dir Ken vor. Nagi wird sich um den Blonden kümmern, sollte dieser ihnen auf die Pelle rücken.<< Sora nickte.
Kapitel 12: Kampf
Schnell hatte sich Sora in die Gedanken von Ken eingeschlichen und zwang ihn, stehen zu bleiben. Sie hörte, wie er seinem Freund zu rief, er solle weitergehen, er würde schon zurechtkommen. Sora lächelte. >>Glaubst du wirklich, dass du zurechtkommst? Du kannst dich nicht bewegen. Also was willst du tun?<< fragte sie Ken. Dieser wusste für einen Moment nicht, was er sagen sollte. Er kannte diese Stimme nicht. Er hatte schon die von Schuldig gehört, aber diese Stimme war im gänzlich unbekannt. Außerdem war es die Stimme einer Frau. Und soviel Ken wusste, hatte Schwarz keine Frau in ihrem Team.
„Wer bist du?“, fragte er und versuchte sich gegen die Starre, in der er sich befand, zu wehren. >>Darüber machst du dir Gedanken? Solltest du dir nicht lieber Gedanken machen, wie du hier wieder raus kommst?<<
„Was willst du? Willst du mich umbringen? Wer bist du?“
>>Das sind aber ziemlich viele Fragen. So was fragt man eine Frau doch nicht bei ihrer ersten Begegnung. Aber ich will mal nicht so sein und werde dir zwei deiner Fragen beantworten: Nein ich werde ich nicht töten. Ich werde dich nur aufhalten, damit du Schwarz keinen Strich durch die Rechnung machst.<< Sora quälte Ken noch ein bisschen, doch dann hatte sie genug und verpasste ihm solche Kopfschmerzen, dass er zu Boden sackte und benommen liegen blieb.
Sora spürte, dass zwei vertraute Geister auf dem Weg zurück waren. >>Schuldig. Crawford und Nagi kommen zurück. Sie haben den Virus.<< Gab sie an Schuldig weiter. Dieser nickte, was Sora förmlich vor sich sah. Er verpasste auch den anderen beiden Weiß so heftige Kopfschmerzen, dass sie zu Boden sackten. Doch der rothaarige, Aya, wollte nicht aufgeben. Mit all seiner Kraft, richtete er sich auf und griff erneut an. Genau in dem Moment, in dem Schuldig ihm den Rücken zugedreht hatte. Sora wollte Schuldig warnen, doch sie entschied sich dagegen, trat aus dem Schatten heraus und drang in die Gedanken von Aya ein. Ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob sie ihn verletzen würde, zwang sie ihn zum stehen bleiben. >>Lass dein Katana fallen!<< hörte Aya eine Frau in seinen Gedanken. Er wollte nicht, doch er konnte sich nicht wehren. Das Katana fiel scheppernd zu Boden. Schuldig drehte sich blitzschnell um und begriff sofort, was los war.
Er lächelte und trat auf Aya zu. „Wie gut, dass ich heute meinen Schutzengel dabei habe. Du wolltest mich doch nicht etwa von hinten angreifen? Das macht man doch nicht“, flüsterte er. Crawford und Nagi kamen aus dem Gebäude. Nagi hielt in seiner Hand eine CD. Sie hatten den Virus. „Es wird Zeit, von hier zu verschwinden“, sagte Crawford kühl. Schuldig und Sora nickten. Sora verpasste Aya so starke Kopfschmerzen, dass sie ihn fast in die Bewusstlosigkeit zwang.
Im Vorbeigehen, blickte sie auf den blonden Jungen, der auf dem Boden lag und in ihre Richtung blickte. Ihre Blicke trafen sich. Nur für Sekundenbruchteile. Doch es reichte, damit Omi erkannte, wer die andere Person war. >>Das kann nicht sein. Ich hab sie in der Bibliothek getroffen. Wir sind zusammen gestoßen und....<< dachte Omi. Sora hatte seine Gedanken mit verfolgt und antwortete: >>Ganz recht. Wir sind uns in der Bibliothek über den Weg gelaufen. Wir werden bestimmt auch noch öfter das Vergnügen haben. Also: Tschau!<< Sie hatte sich kaum aus seinen Gedanken zurück gezogen, als sie und Schwarz auch schon in der Dunkelheit verschwunden waren.
Kapitel 13: Abschied
Schuldig und Sora saßen am Frühstückstisch und unterhielten sich leise. Crawford und Nagi waren noch nicht zurück. Vor gut zwei Stunden waren die Beiden aufgebrochen, um ihrem Auftraggeber den Virus zu überbringen. Maya schlief noch. Sora trank ihre Tasse Tee aus und stand auf. „Ich werde mal nach Maya sehen“. Sie stellte ihre Tasse in die Spülmaschine und verließ die Küche.
Vor der Tür von Maya hielt sie an und klopfte. Ein leises „herein“ war zu hören. Sora trat ein und erblickte ihre Freundin, die gerade vor dem Kleiderschrank stand und nicht wusste, was sie anziehen sollte. „Guten Morgen Sora“, begrüßte Maya ihre Freundin, ohne sich zu ihr umzudrehen. „Guten Morgen. Na findest du was oder haben wir zu viel eingekauft?“
„Ich fürchte, wir haben zu viel eingekauft“. Lächelnd drehte sich Maya zu ihrer Freundin um.
„Du scheinst die Nacht viel geschlafen zu haben?“ fragte Maya. Denn Sora gähnte bereits zum dritten Mal, seitdem sie ihr Zimmer betreten hatte.
„Nein nicht wirklich. Ich konnte nicht so gut schlafen. Keine Ahnung warum“, log Sora. >>Das liegt nur daran, dass wir so einen blöden Umweg zurück nehmen mussten, weil die Straße abgesperrt war. Und dadurch sind wir eine geschlagene Stunde später als geplant zurück gekommen und dann nur drei Stunden geschlafen.. Das ist wirklich etwas wenig.<<
Sora wurde aus ihren Gedanken gerissen, weil Maya ein Kissen nach ihr geworfen hatte.
„Hey, ich rede mit dir“. Verwirrt blickte Sora ihre Freundin an. „Ich sagte, heute ist der letzte Tag, den ich hier bin. Morgen geht mein Flugzeug zurück nach Deutschland“.
„Du willst also wirklich zurück?“
„Weißt du Sora, es ist hier zwar schön aber dieses Land ist nichts für mich. Ich habe noch Familie in Deutschland. Ich kann sie nicht so einfach verlassen“. Maya setzte sich zu Sora aufs Bett und legte einen Arm um sie. „Aber wir werden trotzdem Freunde bleiben und ich verspreche dir, ich werde dich auch ganz oft anrufen und dir schreiben. Du wirst mir doch auch schreiben?“. Sora nickte. „Natürlich. Du bist doch meine beste Freundin“.
„Dann hör auch auf, zu weinen. Es ist doch kein Abschied für immer“. Maya wischte ihrer Freundin die Tränen weg, die sich in ihre Augen gestohlen hatten. Sora nickte. „Du hast recht. Lass uns den Tag heute genießen“.
Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, da hielt das Taxi am Flughafen. Maya stieg aus, gefolgt von Sora. Die Anderen hatten sich schon zu Hause von Maya verabschiedet, da sie heute noch etwas anderes vorhatten. So waren die beiden Freundinnen ganz alleine. Da Maya nur einen Koffer und eine Tragetasche dabei hatte, brauchten sie keinen Wagen. Sie betraten den Flughafen, auf dem hektischer Betrieb herrschte.
Die Koffer waren bereits im Flugzeug. Maya umarmte ihre Freundin noch ein letztes Mal. „Ich werde dir schreiben und dich anrufen, so oft ich kann. Versprochen“. Maya löste sich aus der Umarmung und blickte Sora in die Augen. „Du musst mir versprechen, zu erzählen, wie deine Schwangerschaft verläuft. Ich will doch auf dem Laufenden bleiben“, Maya lächelte. Sora nickte. „Das werde ich. Und jetzt geh, sonst verpasst du deinen Flug“. Noch einmal umarmte Sora ihre Freundin. Es würde die letzte Umarmung für eine sehr, sehr lange Zeit sein.
Kapitel 14: Was bringt die Zukunft?
Ich bin traurig, dass Maya jetzt weg ist. Aber ich kann sie auch verstehen. Genauso, wie sie Deutschland nicht für immer verlassen kann. So habe ich mich doch an das Leben hier gewöhnt und möchte nicht mehr zurück. Sie hat noch eine Familie. Die sie liebt und die sie nicht aufgeben will. Genauso wie ich hier Freunde gefunden habe, die mich verstehen und so viel für mich getan haben. Es hat zwar gedauert, aber ich habe sie alle lieb gewonnen.
Aber ich werde dir schreiben Maya. Das verspreche ich. Doch jetzt habe ich erst mal noch etwas anderes, auf das ich mich vorbereiten muss. Ich werde bald Mutter. Und das ist gar nicht so einfach. Ich spüre schon jetzt, dass mein Kind große Kräfte besitzt. Und ich weiß nicht, was noch alles auf mich zukommen wird. Doch ich weiß, ich habe Freunde, auf die ich mich verlassen kann. Die mir auch in dieser Situation zur Seite stehen.
Ich lege die Hände auf meinen Bauch und spüre das Kind. Auch, wenn es noch viel zu winzig ist, so viel mehr spüre ich die Kraft, die es in sich trägt. Ich werde dem Kind eine gute Mutter sein. Schuldig. Er wartet bereits. Ich sollte mich auf den Weg machen. Immerhin sind wir heute zum Abendessen verabredet. Leise schließe ich die Tür hinter mir.
Ich freue mich schon sehr auf den Abend. Besonders, da es unser erstes gemeinsames Abendessen, ohne Crawford und Nagi ist.
Ich sollte mich wirklich beeilen, sonst fährt Schuldig ohne mich los. Und das will ich auf keinen Fall.
Ende Teil VI































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