AnimePipito
[Gyakkyou Burai Kaiji] – Review
von
am 21.12.2011 um 16:55 (436 Hits)
[Gyakkyou Burai Kaiji] – Review
Mein heutiger Gruß geht an alle Langnasen, Schuldner und Metaphoriker. Kaiji behandelt die dunklen Themen des Alltags und darin liegt auch die antreibende Kraft des Animes und des Lebens. Die Schulden.
Storytelling
Kaiji beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, um das Leben von Kaiji, welches man nicht gerade als angenehm bezeichnen könnte. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Versager. Er hat noch nie wirklich gearbeitet, er vergeudet seine Zeit mit Glücksspielen, welche er nicht gewinnen kann, und hat obendrein noch Probleme mit der Polizei.
Er lebt ein Leben kurz vor dem Abgrund, was ihn,durch eine Verkettung von noch weiteren unglücklichen Umständen, vor die Wahl stellt sein Leben aufs Spiel zu setzen, um aus hohen Schulden und einem armseligen Leben herauszukommen.
Er nimmt das Angebot aufgrund fehlender Alternativen an und begibt sich auf das Schiff welches seine einzige Hoffnung darstellt: Espoir!(Ein rießiger Luxusdampfer)
Es bleibt nicht der einzige Ort an dem Kaiji hingeht und an allen Orten werden einfache Spiele genommen und mit lebensbedrohlichen Elementen versehen. Schere, Stein Papier, Wettlaufen, Kartenspiele oder Lotto werden unter den richtigen Prämissen und mit abgewandelten Regeln zu tödlichen Spielen mit langer Spannungskurve.
Kaiji schafft es durch eine Reihe dieser Spiele fast unbeschadet herauszukommen, indem er seinen Verstand benutzt, welcher bei solchen Situationen scheinbar zu Höchstform anläuft. Dem Zuschauer wird dabei ein großer Einblick in seine Gedankenwelt gewährt und sie trägt maßgeblich zur Spannung bei. All das wird, und wie sollte es auch anders sein, von einem verrücktem, ekelhaften alten Mann organisiert, der eine helle Freude daran hat Menschen leiden und sterben zu sehen.
Während des Fortschreitens der Geschichte freundet sich Kaiji mit seinen Mitinsassen an, welche ihn teilweise ausnehmen, teilweise blind vertrauen und teilweise anbeten.
Er selbst in nicht gerade begeistert davon, muss ihnen aber vertrauen, da er selbst gegen das System nichts ausrichten kann.
Das Interessante an Kaiji ist der Verlauf der Geschichte. Es verläuft niemals so wie man sich das ganze vorgestellt hat.
Wie gesagt ist Kaiji nicht gerade der Lieblingscharakter mit dem man sich identifizieren könnte und er schafft es auch dieser Linie treu zu bleiben.
Er reitet sich immer weiter in Größere Schwierigkeiten rein, die ihn dann fast das Leben kosten. Dadurch entsteht ein großer Spannungsbogen, der unvorhersehbar ist und das obwohl sich die meiste Zeit die Charaktere kaum von der Stelle bewegen.
Es ist ein Kammerspiel, in welcher die Gedankengänge und spielerische Raffinesse mehr bewirken als Schwertschwingen und aufleveln.
Das Durchschauen eines Spielsystems und das Umkehren dieser Regeln zum eigenen Vorteil ist die Gewinnstrategie von Kaiji.
Sie wirkt, wie häufig in solchen Gedankenserien, leicht übertrieben und der sprichwörtliche Geistesblitz trifft sehr häufig ein.
Die Geschichte von Kaiji ist eine voller Dummheiten. Sie ist gut durchdacht und kaum durchschaubar. Sie hat eine gute Geschwindigkeit und läd zu spannenden Stunden ein.
8/10
Charakterentwicklung
Trotz vieler Charaktere bleibt der einzige Charakter den man als solchen bezeichnen kann Kaiji. Er ist ein Vollidiot. Damit ist allerdings nicht sein Verstand sondern seine Art und Weise gemeint. Sein Verstand scheint sich von Folge zu Folge zu vergrößern um dann am Ende erneut in einer Situation zu landen die ihn den Kopf kostet. Kaiji als Charakter ist sehr Kameradschaftlich. Er versucht anderen zu helfen und ist kein schlechter Mensch. Dieser Versuch wird ihm zwar nicht immer gedankt, doch er schafft es eine kleine Anhängerschaft um sich zu schaaren. Kaiji ist jedoch nicht der typische Anführer. Er stellt sich auf die gleiche Stufe wie seine Freunde und erlebt das selbe und sogar schlimmeres als sie um alle heil aus der Hölle zu holen.
Dieser Eindruck baut sich erst nach und nach auf. Schaut man auf den anfänglichen Kaiji und dann auf den späteren ist deutlich zu erkennen, dass dies nicht mehr der gleiche Mensch ist.
Er hat noch seine Eigenheiten doch er ist nicht mehr ein passiver sondern ein aktiver Mensch geworden.
Beachtet man die Entwicklung auf lange Sicht trifft dies auch zu, doch häufig werden seine Entwicklungen in Sprüngen vollzogen. Mal heult er traurig in der Ecke und im nächsten Moment tüffeltet er schon einen hochkomplexen Plan aus und heult am Ende erneut.
Der Anime hat in Sachen Charakterentwicklung keine klare Linie. Kaiji erlangt nach und nach Berühmtheit, doch das ist eine Tatsache die nur am Rande erwähnt wird. Es folgen Sprünge und Rückzieher und teilweise keine Veränderung, jedoch bleibt sich der Anime, so komisch es auch klingt, seiner Linie treu, obwohl sie keiner Linie folgt.
Kaiji hat Wiedererkennungswert und man greift sich bei vielen Entscheidungen an den Kopf, aber genau diese Eigenarten machen ihn menschlich.
Er ist in Gefahrensituationen ein Überflieger, doch in den ruhigen Momenten verhält er sich genau wie jeder andere auch. Natürlich.
7/10
Soundtrack
Den Soundtrack von Kaiji ist gut gemacht, keine Frage. Hideki Taniuchi hat hier ordentliche Arbeit geleistet. Er hat unter anderem auch den Soundtrack zu Death Note komponiert und hat in Kaiji die bedrückende Stimmung gut eingefangen. Er setzt in den richtigen Momenten ein und trägt maßgeblich zur Stimmung bei.
Das Opening „Mirai wa bokura no te no naka“ hat, meiner Meinung nach, einen viel zu fröhlichen Klang. Wenn man bedenkt, dass es in der Serie um den nahen Tod geht, kann man dies aus dem Opening nicht wirklich erkennen.
Der Rest des Soundtracks wird durch krasse Gitarrenriffs untermalt, welche von Keyboardklängen unterstützt werden. Diese sorgen für eine mystische Note und machen den Soundtrack genauso schmutzig und kalt wie auch der Anime.
Kritikpunkt ist ganz klar, die Unausgewogenheit. Viele Titel ähneln sich, jedoch hat der Soundtrack auch Glanzstücke die man mit der Serie verbinden kann. Es plätschert häufig einfach so hin und unterbricht die Stille. Es setzt aber auch Aktzente wo sie hingehören und legt sich gut unter die Atmosphäre.
7/10
Replaywert
Das man sich einige Serien häufiger ansehen kann, habe ich ja bereits häufig erzählt. Kaiji ist da eine Serie die aus dem Raster springt. Ein großer Aufreger bei Kaiji sind die häufigen Rückblenden die gemacht werden. Teilweise bestehen ganze Folgen nur aus Rückblenden plus 5 Minuten Fortschritt.
Damit erübrigt sich eigentlich das erneute anschalten der Serie. Ich mag die Stimmung des Animes sehr. Die Geschwindigkeit mit der die Geschichte erzählt wird allerdings ganz und garnicht. Bei diesem Anime trifft der Ausdruck „einmalig“ zu. Es ist etwas Neues und die Stimmung einnehmend, jedoch nur das erste Mal. Es nutzt sich sehr schnell ab und man kann sich, obwohl die Serie sehr gut ist, nicht häufiger anschauen.
2/10
Zentrale Werte
Wie verhält sich ein Mensch der nicht mehr zu verlieren hat? Das ist wohl die zentrale Fragestellung mit der sich Kaiji beschäftigt. Kaiji gerät in diese Welt da er sich alle Möglichkeiten verbaut hat. Jetzt steht er mit heruntergelassener Hose vor den Geldeintreibern und hat keine andere Wahl als zu tun was sie verlangen. Wenn er verliert arbeitet er sein Leben lang im Untergrund. Wenn er gewinnt, was in den Augen der Organisation höchst unwahrscheinlich ist, dann ist er seine Schulden los und kann sogar noch etwas dazu verdienen. Durch diese Prämisse werden spiele wie Schere, Stein, Papier auf ein intensiveres Level angehoben.
Kaiji als Charakter ist naiv und sein Weltbild wird in diesem Anime konsequent zerstört. Es ermutigt ihn und die Zuschauer bestehende Gedankengänge neu zu überdenken und über den Tellerrand zu blicken.
Selbstinitiative wird vermittelt. Man soll sein Schicksal selbst in die Hand nehmen sonst landet man ganz schnell im Untergrund. Wenn einen nichts mehr antreibt ist man verloren und auf andere angewiesen.
In Kaiji geht es um Geld.
Das schnelle verdienen und verlieren von Geld ist ein Motor der die Gesellschaft und die Welt antreibt. Wie bereits in „C“ ist auch Kaiji sehr sozialkritisch und weißt auf die Macht hin, die mit dem Geld einhergeht. Der überzeichnete Tonegawa, hat das Geld. Und seine Untergebenen haben entweder Angst vor dem Tod oder es treibt sie das Geld an, mit dem der alte Knacker um sich wirft.
Er hat sie alle unter seiner Kontrolle und scheut nicht davor seine Überlegenheit zu zeigen.
Kaiji sitzt am anderen Ende der Nahrungsquelle. Er schafft es aber dennoch, durch seinen eisernen Willen sich gegen bestehende Systeme durchzukämpfen und die Überlegenheit seiner Gegner zu übertreffen.
Kaiji ist wie ein Spiegel der uns Menschen vorgehalten wird.
9/10
Zeichenstil
Der Zeichenstil von Kaiji ist ähnlich wie der von „Hajime no Ippo“. Harte Linien bestimmen sie Charaktere und häufige Linien die den Schatten schraffieren. Es ist nicht besonders bunt. Es deutet die Charaktere an und ist wie die Geschichte sehr schmutzig gehalten. Das Merkmal das besonders ins Auge sticht ist aber die Verwendung von riiießigen Nasen. Ich weiß nicht wieso, aber in Kaiji hat praktisch jeder Charakter einen Zinken wie er im Bilderbuch steht. Egal ob Harke oder Pinochio, in Kaiji ist alles vorhanden. Sogar „Frauen“ haben einen. Trotz der zweifelhaften Übertreibung dieses Merkmals ist es doch ein Alleinstellungsmerkmal.
„Kennst du den Anime mit den rießigen Nasen? Kaiji?“ Normalerweiße würden in diesem Gespräch Brüste fallen, jedoch wüsste man dann trotzdem nicht welcher Anime gemeint wäre.
Die Hintergründe in Kaiji sind funktionsmäßig. Teilweiße völlig leer, teilweiße mit computergenerierten 3D Objekten bestückt dienen sie nicht wirklich einem Zweck. Meist spielt sich die Situation an einem Tisch oder an einem anderen festgelegten Ort ab. Der Rest kann aussehen wie er will.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist das Auftauchen von Schrift die Kaiji vor gefährlichen Situationen warnt. Die finde ich alles andere als schön implementiert. Eine Abfolge von lila Schriftzeichen, die in einer Wellenform angeordnet sind um die Depression der Szene zu unterstützen.
Es wirkt, in meinen Augen, aufgesetzt. Der Anime hätte auch ganz gut ohne die wabernde Schrift geklappt. Gegen Ende wird es nur noch nervig und wirft einen aus der gespannten Situation, in eine unnötig witzige.
Es gibt hier und da sicherlich Probleme, doch der Zeichenstil ist einzigartig und hebt sich von anderen Serien ab, die ihr besonderes Merkmal in den Augen sehen.
Es ist nicht der schönste Anime der Welt, aber er ist das was er ist.
5/10
Fazit
Kaiji ist nicht gerade der beste Anime der jemals gemacht wurde. Die Charaktere sind nicht schön, aber haben ein herausstechendes Merkmal. Wie bereits erwähnt haben die Spiele die meiste Aufmerksamkeit verdient. Einfache Spiele werden verändert und erhalten somit ihren Reiz. Das Ende der Serie übertreibt etwas mit dieser Besonderheit. Jedoch hält sich die Spannung bis zuletzt.
Tränenreiche Passagen sind durchaus vorhanden. Mit dieser Körperflüssigkeit wird nicht gespart. Auch hätten sich die Zeichner etwas besseres als wabbernde Zeichen ausdenken können um Suspense auszudrücken. Charaktere haben kaum Tiefgang. Kaiji jedoch schon. Er ist nicht wie der typische 0-8-15 Held. Ein Antiheld und dazu noch ein dummer trägt uns durch die Folgen. Trotz des etwas merkwürdigen Endes ist diese Serie in Punkto Atmosphäre sehr gut.
Zusammengefasst lässt es sich wohl als hässliches Entlein der Animeszene bezeichnen. Es wird zwar niemals ein hübscher Schwan daraus und doch lehrt uns der Anime viele Dinge die wir wahrscheinlich so niemals gesehen hätten.
6/10

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